Leitfaden Digitale Spiele
Unsplash - Kelly Sikkema

Leitfaden Digitale Spiele

Videospiele erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen immer größerer Beliebtheit. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sind sie ein beliebtes Mittel für Jugendliche, um trotz der Einschränkung ihrer sozialen Kontakte mit Freunden in Verbindung zu bleiben. Digitale Spiele können durchaus ein probates Mittel für eine wertvolle Freizeitgestaltung sein, sofern sie mit der nötigen Vorsicht genossen werden und Eltern einige grundlegende Regeln beachten. Videospiele können nicht nur Spaß machen, sondern haben auch das Potential für Kinder lehrreich und fördernd zu sein. 

Neben einem bedachten Umgang mit dem Angebot von digitalen Spielen, sollten auch bei der Auswahl altersgemäßer und geeigneter Videospiele einige Grundsätze eingehalten werden. Die wichtigsten Punkte, die Eltern bei der Medienerziehung Ihrer Kinder, im Hinblick auf Videospiele, beachten sollten haben wir für Sie zusammengefasst.

1. Geeignete Spiele auswählen 

Der erste und einer der wichtigsten Schritte, die Sie gemeinsam mit Ihrem Kind unternehmen sollten, ist die Auswahl altersgemäßer und geeigneter Spiele. Nicht nur bezogen auf den Inhalt eines Spiels, sondern auch auf die Schwierigkeitsstufe gibt es einige Grundsätze zu beachten. Um dem Alter Ihres Kindes angepasste Spiele auszuwählen sollten Sie unbedingt die Alterskennzeichnungen der USK beachten, die auf sämtlichen, im Handel verfügbaren, digitalen Spielen abgebildet sind. Um sich über die Einteilung und weitere Einzelheiten der Alterseinstufung und Kennzeichnung zu informieren, können Sie die Seite www.usk.de besuchen. 

Auf die Spielauswahl Ihres Kindes können Sie am besten Einfluss nehmen, indem Sie es beim Kauf begleiten und sich gemeinsam damit beschäftigen. Informieren Sie sich vorab über in Frage kommende Spiele, um eine bessere Einschätzung zu haben, welche Spiele in Frage kommen könnten. Verkäufer bieten Ihnen durch fachliche Beratung zusätzliche Informationen direkt vor Ort. Auch Rezensionen, Erfahrungsberichte und gegebenenfalls Trailer der Spiele, die im Internet verfügbar sind, können Ihnen bei Ihrer Beurteilung helfen. Zahlreiche, frei zugängliche Internetplattformen stehen Eltern zusätzlich zur Verfügung, um sich eine professionelle, pädagogische Bewertung von digitalen Spielen einzuholen. Beispiele hierfür sind: www.spielbar.de, www.internet-abc.de oder www.schau-hin.info. Behalten Sie hierbei jedoch im Hinterkopf, dass es zwar durchaus Spiele gibt, die sogar aktiv zu Lernerfolgen Ihres Kindes beitragen können, aber dass das Spielen von Video- oder Computerspielen zunächst zur Unterhaltung und zum Spaß Ihres Kindes beitragen soll.

Sofern sämtliche Altersbeschränkungen eingehalten werden und schädliche Inhalte ausgeschlossen sind, können Sie also auch durchaus Spiele genehmigen, die pädagogisch nicht den größten Mehrwert bieten. Auch digitale Spiele, die nicht in erster Linie als Lernspiele gelten, können Kindern einige Fähigkeiten vermitteln. Neben Strategie Denken, Kommunikationsfähigkeit oder der Fähigkeit, Probleme zu lösen, können so beispielsweise auch Teamfähigkeit oder Selbstbewusstsein gestärkt werden.

2. Zahlungsweisen definieren und kontrollieren

Ein weiterer wichtiger Punkt, den Sie beim Spielen von digitalen Spielen beachten sollten, ist der Umgang mit kostenpflichtigen Inhalten und Zahlungsmethoden. Ein großer Teil, der im Internet verfügbaren Spiele, steht Kindern kostenfrei zur Verfügung. Häufig müssen jedoch Zahlungsdaten hinterlegt werden, die für verfügbare Extras oder Zukäufe genutzt werden können. Auch bei zahlungspflichtigen Spielen ist es meist nötig ein Konto zu eröffnen, in dem Bank- oder Kreditkartendaten hinterlegt werden sollen. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Kind über diese Daten nicht selbst verfügen kann und, dass Sie zu jeder Zeit den alleinigen Zugriff auf die entsprechenden Einstellungen bewahren. Legen Sie entsprechende Accounts gemeinsam mit Ihrem Kind an und klären Sie es darüber auf, welche Risiken im Zusammenhang mit Online-Zahlungen und Kostenfallen im Internet bestehen. 

Für etwas ältere Kinder gibt es oft die Möglichkeit eine Prepaid-Karte mit einem begrenzten Budget zur Verfügung zu stellen, über das sie dann verfügen können. Bestimmte Käufe können Sie dennoch meist über vordefinierte Einstellungen und Sperrungen verhindern.

3. Maximale wöchentliche Spielzeit festlegen

Legen Sie außerdem eine maximale tägliche oder wöchentliche Spielzeit fest, die für Ihr Kind erlaubt ist. Oft lässt sich diese direkt im Spiel definieren und wird so automatisch eingehalten. Achten Sie hierbei darauf, dass die vereinbarte Zeit dem Alter Ihres Kindes angepasst ist und gerecht wird. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Kinder in höherem Alter eine weiter ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit haben als jüngere Kinder und deshalb durchaus auch längere Spielzeiten zugestanden bekommen können. 

Gängige tägliche Empfehlungen, die Sie als Richtlinie verwenden können sind:

Alter Zeit
bis 7 Jahre 20 bis 30 Minuten (unter Aufsicht)    
8 bis 10 Jahre 60 Minuten
10 bis 12 Jahre     75 Minuten
ab 12 Jahren 90 bis 120 Minuten

Grundsätzlich sollten Sie aber jederzeit die individuelle Entwicklung Ihres Kindes beurteilen und gut einschätzen können, um diese Richtlinie gegebenenfalls, je nach dem persönlichen Entwicklungsstand Ihres Kindes, anzupassen. Beachten Sie zudem, dass Ihre Kinder beim Spielen Pausenzeiten einhalten. Eine gängige Empfehlung hierfür sind circa 15 Minuten pro gespielter Stunde. Für jüngere Kinder kann es, je nach Entwicklungsstand, auch sinnvoll sein, das Spielen von digitalen Spielen nur am Wochenende zuzulassen. Außerdem kann es hilfreich sein, diese Spielzeiten flexibel zu gestalten und eher wöchentlich zu betrachten, sodass sich Kinder die Spielzeiten etwas freier einteilen können. Das kann gegebenenfalls für komplexe Strategiespiele sinnvoll sein, die sich nur schwierig unterbrechen oder in kürzeren Etappen spielen lassen. Die meisten Spiele lassen sich jedoch einfach unterbrechen und anschließend wieder fortsetzen.

Beachten Sie zudem gemeinsam mit Ihren Kindern eine Zeitbegrenzung zu vereinbaren, die sich auf den Medienkonsum im Allgemeinen bezieht. Auch Smartphone, Fernseher oder Tablet sollten in diese Zeit miteinbezogen werden, um zu vermeiden, dass Kinder nach dem Spielen von digitalen Spielen auf diese alternativen Medien zurückgreifen. Grundsätzlich sollten Sie als Eltern das Verhalten und den Umgang Ihres Kindes mit digitalen Medien zu jeder Zeit im Auge behalten und bei Auffälligkeiten entsprechend eingreifen. Zeigt Ihr Kind beispielsweise Symptome wie Kopfschmerzen, Nervosität, abfallende schulische Leistungen oder Antriebslosigkeit sollten Sie sofort Maßnahmen ergreifen und die maximale Spielzeit deutlich einschränken.

4. Gemeinsam mit Kindern spielen

Beschäftigen Sie sich mit den Hobbies und der Freizeitgestaltung Ihrer Kinder. Selbstverständlich ist die Popularität von digitalen Spielen eine eher neue Entwicklung des digitalisierten Zeitalters und für einige Elternteile nicht oder nur schlecht nachzuvollziehen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie als Eltern versuchen die Vorlieben Ihrer Kinder zumindest zu verstehen. Nur so können Sie - auch wenn sie die Begeisterung Ihres Kindes vielleicht nicht teilen - verstehen, worum es in entsprechenden Spielen geht, wie sie ablaufen und wo womöglich Risiken bestehen. 

Nehmen Sie sich die Zeit gemeinsam mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, lassen Sie sich die Funktionsweise und den Ablauf eines Spieles von Ihrem Kind erklären und hinterfragen Sie warum sich Ihr Kind für gerade dieses Spiel begeistert und entschieden hat. Es kann zudem durchaus sinnvoll sein, ein Spiel zunächst gemeinsam mit Ihrem Kind zu spielen, bevor Sie es auch unbeaufsichtigt und alleine damit spielen lassen. Wenn Sie das von Ihren Kindern ausgewählte Spiel als nicht geeignet erachten, können Sie so in einem anschließenden Gespräch auch verständlich und fundiert erläutern aus welchen Gründen Sie ein Computerspiel eventuell verbieten. So können Kinder mit Einschränkungen und Verboten besser umgehen. Zudem stellt das gemeinsame Spielen von Videospielen, ganz genauso wie das Spielen von traditionellen Brett- oder Kartenspielen, die Möglichkeit dar, Zeit als Familie zu verbringen.

5. Kommunikation im Internet

Sie sollten sich zudem über weitere Risiken informieren, die die Nutzung von digitalen Medien und des Internets mit sich bringen und Ihre Kinder umfangreich darüber aufklären. Beispiele hierfür sind die Möglichkeit in sozialen Netzwerken zu kommunizieren oder auch die Verwendung persönlicher Daten. Viele soziale Netzwerke und auch Online-Spiele bieten die Möglichkeit mit fremden Personen oder Mitspielern in Kontakt zu treten. Die Kontaktaufnahme im Internet geschieht hierbei oft anonym. Dadurch entstehen ernstzunehmende Risiken für Kinder und Jugendliche über die Sie vor einer Nutzung unbedingt aufklären sollten. 

Weder Sie als Eltern noch Ihre Kinder können sich über die tatsächliche Identität oder über die Absichten eines anderen Internetnutzers verlässliche Informationen einholen und sollten sich dessen zu jeder Zeit bewusst sein. Über den anonymen Weg des Internets können Dritte beispielsweise persönliche Daten, wie Adresse, Fotos oder Hobbies von Kindern erfragen und im schlimmsten Fall für kriminelle Zwecke missbrauchen. Erklären Sie Ihren Kindern dieses Problem und besprechen Sie gemeinsam mit Ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Fremden im Internet. 

Zurück zum Ratgeber Überblick