Finanzbildung und Sparen: Ist die Schule versetzungsgefährdet?
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Finanzbildung und Sparen: Ist die Schule versetzungsgefährdet?

Wer sind für junge Menschen die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um Finanzthemen geht? Für wie kompetent halten sie sich in Finanzfragen, wo sehen sie Unsicherheiten und größte Lücken im Hinblick auf die eigene Finanzbildung und am allerwichtigsten: sehen sie sich ausreichend gewappnet für die künftige eigene Vorsorge? Diesen und vielen weiteren spannenden Themen ist die Union Investment für ihr aktuelles Anlagebarometer mit dem Schwerpunkt Finanzbildung und Sparen auf den Grund gegangen. Mehr als 2000 junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren aus allen Landesteilen wurden dazu im Rahmen einer Online-Befragung durch das Marktforschungsunternehmen Forsa um ihre Einschätzung gebeten. Uns liegen die spannenden Ergebnisse der repräsentativen Befragung vor und wir möchten einige der bemerkenswertesten Beobachtungen an dieser Stelle mit Ihnen teilen. 

Im ersten Teil richten wir den Fokus auf die wichtigsten Ansprechpartner junger Erwachsener in puncto Finanzbildung. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend, zum Teil leider auch recht ernüchternd. Sie zeigen aber auch wichtige Anknüpfungspunkte für die Zukunft auf. Lesen Sie selbst, wie gut die Finanzerziehung in Deutschland heute aus Sicht derer beurteilt wird, die gerade noch mitten im Ausbildungsprozess stehen.

Erst die Gesundheit, dann das Finanzielle

Denken junge Erwachsene an die eigene Zukunft, dann benennen sie allen voran die Gesundheit und Kenntnisse für die Gestaltung einer gesunden Lebensführung als zentral. Was aber meinen sie, halten Heranwachsende darüber hinaus für besonders wichtig? IT-Kenntnisse? Fremdsprachen? Ein Handwerk zu erlernen? Zwar räumen sie allen genannten Aspekten und einigen weiteren durchaus großen Wert ein, aber nichts scheint ihnen abgesehen von der Gesundheit wichtiger für die persönliche Zukunft, als sich in Geld- und Finanzfragen auszukennen. Grund genug, schon früh darauf zu achten, dass sich junge Menschen in Finanzfragen ausreichend informiert und sicher fühlen. Aber wer kümmert sich darum und wie gut gelingt es? Die Eltern, die Schule oder gar das “Internet”? 

Erziehungsauftrag: Zwischen Eltern und Staat 

Denken wir an die (Aus-)Bildung unserer Kinder, so denken wir selbstverständlich zunächst an unsere eigene Verantwortung als Erziehungsberechtigte. Schließlich sieht der elterliche Erziehungsauftrag Recht und Pflicht zur Pflege und Erziehung der Kinder zunächst einmal bei den Eltern (wie sich aus Artikel 6 des Grundgesetzes ableiten lässt). Ihnen obliegt das Vorrecht der Erziehung nach eigenem Ermessen. Der Staat darf sich nur dann in die elterliche Erziehung einmischen, wenn er das Kindeswohl bedroht sieht. Doch darüber hinaus gibt es auch einen staatlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag, ausgeübt in erster Linie über das Schulsystem. Die Schule soll so gewissermaßen eine partnerschaftliche Ergänzung der elterlichen Erziehung darstellen.

Und was sieht der Erziehungsauftrag nun vor? 

In erster Linie besteht der Erziehungsauftrag darin, Kinder in ihrer Entwicklung hin zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern. Übertragen auf die staatliche/schulische Verantwortung lassen sich hierunter unterschiedliche Ziele fassen. Von ganz grundsätzlichen Themen wie der Vermittlung von Werten wie Toleranz, Respekt, die Ablehnung von Diskriminierung über die Erziehung zu selbstkritischem Denken und selbstständigem Handeln, bis hin zur Förderung einer gesunden Lebensführung. Daneben nehmen weitere ganz konkrete Bildungsziele wie die fachspezifische Vermittlung von Wissen einen großen Stellenwert in der Schulbildung ein. Doch gerade bei letzterer kommt offenbar nach Einschätzung vieler junger Menschen ein ganz zentrales Thema deutlich zu kurz: die Finanzbildung. 

Ort der Bildung, nicht aber der Finanzbildung? 

Es ist bemerkenswert, wie weit offenbar die Erwartung von Schülern und die Realität ihres Schulalltags auseinanderliegen, wenn es um Finanzthemen geht. Befragt danach, wer ihnen als Jugendliche und junge Erwachsene Wissen zu Finanzthemen vermitteln sollte, ist die Meinung der 18-29 jährigen eindeutig: 85% der Befragten sehen die Schule in der Verantwortung. Von den eigenen Eltern erwarten dies immerhin ebenfalls noch 69%. Deutlich weniger junge Menschen sehen der vorliegenden Studie zufolge Medien, Politik oder Geldinstitute (33-36%) in der Verantwortung.

Während die Eltern ihre Sache offenbar zumindest in der Wahrnehmung ihrer Kinder recht gut machen und im Durchschnitt immerhin mit der Note 2,8 davonkommen (43% der Befragten sehen sich durch ihre Eltern “gut” oder “sehr gut” auf Finanzthemen vorbereitet, weitere 30% Prozent würden ihnen immerhin auch noch ein “befriedigend” ausstellen), scheint die Realität in der Schule eine gänzlich andere zu sein. 

Die Schule muss zum Nachsitzen

Eine Vier mit einem großen Minus, im Abi würde es nicht mehr ausreichen. Mit einem Notenschnitt von 4,8 fällt das Urteil über die Lehranstalten doch mehr als ernüchternd aus. 6% aller Befragten beurteilen die Vorbereitung auf Finanzthemen in der Schule als “gut” oder gar “sehr gut”. Immerhin noch knapp 28% sehen sich durch die Schule zumindest “befriedigend” bzw. “ausreichend” für Finanzthemen gerüstet. Fast jeder Fünfte aber stellt der Lehranstalt ein mangelhaft aus und ganze 41% gehen gar soweit, die Schule durchfallen zu lassen. Ihr Urteil lautet “ungenügend”. Note 6 für die Schule also. 

Nun wäre es natürlich ein Leichtes, sich auf dieser Basis ein schnelles Urteil über Schulen und Finanzerziehung zu bilden. Um aber abschließend über Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit dieser Bewertungen zu urteilen, bedarf es natürlich tiefergehender Ursachenforschung. Ehe der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wird, versuchen wir doch, die Erkenntnisse richtig einzuordnen und sie besser zu verstehen, um geeignete Lösungen zu entwickeln. 

Fakt ist, dass junge Menschen dem Thema Finanzbildung eine große Bedeutung für ihre persönliche Zukunft beimessen. Fakt ist auch, dass zwischen den Erwartungen der jungen Erwachsenen und ihrer alltäglichen Erfahrung in der Lehranstalt eklatante Diskrepanzen bestehen und Schulen dem Anspruch vieler offenbar nur sehr unzureichend gerecht werden. Darin sind sich Schüler, Azubis, Studierende und Erwerbstätige weitgehend einig. Übrigens fällen von allen genannten Gruppen Studierende mit einer glatten 5,0 das schlechteste Durchschnittsurteil. 

Wenig Vertrauen in das eigene Finanzwissen

Dass vor diesem Hintergrund auch die Beurteilung des eigenen Finanzwissens nicht überwältigend ausfällt, überrascht wenig, wo es doch bereits an der Basisausbildung hapert. Nicht wenige junge Erwachsene sehen sich heutzutage daher nur unzureichend aufgestellt, wenn es um die eigenen Finanzkompetenzen geht. Nicht einmal jeder Fünfte beurteilt sein Finanzwissen als “gut” oder “sehr gut”. Während etwas mehr als ein Drittel der Befragten die eigenen Kompetenzen immerhin noch als “befriedigend” einstuft, schätzen ganze 43% aller Befragten ihre Kenntnisse als doch eher sehr dürftig ein. In Schulnoten ausgedrückt, erteilt sich jeder Vierte lediglich ein “ausreichend”, 16% beurteilen ihr Finanzwissen gar als mangelhaft, 3% als ungenügend.

Die Ursachen dafür sind vielseitig. Viele Befragte (42%) beschäftigen sich nach eigener Aussage fast nie oder nie mit Finanzthemen. Vielen unter ihnen sind sie schlichtweg zu kompliziert (42%), sie finden sie uninterssant (39%) oder sie sind ohnehin der Annahme, ihnen stehe nicht ausreichend Geld zur Verfügung, damit sich eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema überhaupt lohnen könne (36%). 

Zugang zu Finanzthemen herstellen

Um überhaupt einen ersten Zugang zu diesem so wichtigen Thema zu ermöglichen, muss es vereinfacht dargestellt und für viele sicherlich auch spannender transportiert werden. Wer bei Finanzen an trockenes Zahlenspiel denkt, schaltet schnell ab. Und nicht zuletzt sollte gerade für jene, die eigene Möglichkeiten schon von vornherein sehr skeptisch beurteilen, aufgezeigt werden, welche Chancen sich auch und gerade ihnen bieten können. Anders fällt es schwer, sich aus der wahrgenommenen Unfähigkeit zu befreien und das Thema wieder positiv zu besetzen. 

Und wenn nicht einmal jeder Zehnte die Schule als eine relevante Informationsquelle betrachtet, um sich über Finanzthemen oder gar Möglichkeiten des Geldanlegens zu informieren, dann müssen eben andere in die Bresche springen. Eltern und Freunde können einen wichtigen Beitrag leisten und an Themen heranführen, aber auch Banken als vertrauenswürdige Experten können Heranwachsende heute unkompliziert auf digitalem Wege erreichen und dabei helfen, die Unsicherheiten junger Menschen abzubauen. Das Internet bringt sie schließlich längst direkt in die Haushalte und ist schon heute Informationsquelle Nummer 1, wenn junge Erwachsene sich doch einmal über Finanzthemen informieren möchten. Je früher der Grundstein gelegt wird, desto selbstverständlicher werden sie auch im weiteren Werdegang mit dem Thema umgehen können.  

Finanzbildung gelingt nicht von allein

Das Thema Finanzen bereitet vielen Kopfschmerzen, wahrlich nicht nur jungen Erwachsenen. Schulische Bildung allein reicht offenbar nicht aus, doch statt den Kopf in den Sand zu stecken sollten wir als Eltern darauf achten, zusätzliche Quellen anzuzapfen, um unseren Kindern das nötige Werkzeug an die Hand zu geben, damit sie sich in Finanzfragen sicher fühlen. Mit myPiggy möchten wir von VR Family Finance hierzu ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten. Wir möchten Sie dabei unterstützen, Ihre Kinder spielerisch an den verantwortungsvollen Umgang und den Wert von Geld heranzuführen und das bereits im Grundschulalter. Erfahren Sie hier mehr über myPiggy und lesen Sie bald auch schon den nächsten Teil unserer Serie zur Studie der Union Investment. Dann werfen wir einen Blick darauf, wie junge Erwachsene eigentlich ihr Geld anlegen. 

 

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